"Feldtbuch der Wundt Artzney", Hans von Gersdorff, 1551

Der vollständige Titel des Buches lautet "Feldtbuch der Wund Artzney, sampt des Menschen Cörpers Anatomey, vnnd Chirurgischen Instrumenten..." von Hans v. Gersdorff.

Das Exemplar des Buches in der Dauerausstellung des Museums stammt aus dem Jahr 1551. Auf Blatt 21 verso des Buches ist der "Spiegel der Wundtartzney" abgebildet. Dieser Holzschnitt zeigt die verschiedenartigen Verwundungen, die ein Landsknecht im Kampf davontragen konnte: Verletzungen durch Pfeile, Messer, Säbel, Schwerter, Knüppel etc. Bereits der Titel des Buches "Feldtbuch..." deutet darauf hin, dass es zwar vorzugsweise für Feldärzte bestimmt war, Gersdorff es jedoch allen Ärzten, Barbieren und jedem selbst für den täglichen Gebrauch empfahl.

Zahlreiche handschriftlichen Bemerkungen und Anstreichungen sowie gelb-rötliche Flecke, die getrocknetes Blut sein könnten, lassen den Schluss zu, dass das Exemplar unseres Museums auch in der Praxis im Einsatz war. Neben allgemeinen anatomischen Abhandlungen, Beschreibungen von Aderlässen, Behandlungen von Fisteln, Bränden und Krebs, der Herstellung und Verwendung von Arzneien, Salben und Verbänden werden zahlreiche chirurgische Eingriffe und Amputationen von Extremitäten in Wort und Bild dargestellt. So ist bereits im vorangestellten Inhaltsverzeichnis zu lesen: "Von Geschossenen Wunden/Büchsenklötzen/Schäfften/Eisen etc. so in den Wunden stecken/Sie heraus zuthun", "Vonn zerfallenen/odder verruckten Gliederen/wie denen zu helfen" oder "Glieder abschneidung geschicklichkeit".

Im Jahre 1527 veröffentlichte Gersdorff dieses Buch das erste Mal. Gedruckt wurde es in Straßburg. Die zahlreichen Holzschnitte werden Hans Wechtlin zugeschrieben. Weitere Ausgaben folgten, auch eine Übersetzung ins Lateinische. Viele Jahre war dieses Buch wichtigste Grundlage für die europäische Chirurgie. Hans von Gersdorff, auch auf Grund eines Gebrechens "Schyl-Hans" genannt, wurde um 1455 geboren, wirkte als Wundarzt, lebte in Straßburg und starb 1529. Von ihm selbst ist nur sehr wenig bekannt. Das Exemplar in der Dauerausstellung des Museums wurde 1551 in Frankfurt am Main durch Hermann Gülfferich gedruckt und vom MHM Ende 2010 als Exponat erworben.

Im Vorwort dieses Werks schreibt Gersdorff, dass alles, was in diesem Buch steht, von ihm selbst gesehen, in der Praxis getestet, bewertet und mit Kollegen diskutiert wurde. Die Flecken und Bemerkungen in unserem Exemplar sind ein Beleg dafür, dass es über die gut 460 Jahre seit seinem Erscheinen nicht nur in Bücherregalen stand. Heute ist es in der Chronologie I im Erdgeschoss des Museums ausgestellt.

Text: BiblAmtfr Anett Rauer, Leiterin Fachinformationsstelle MHM Bilder: MHM/FISt 29. Mai 2012