Die deutsche Edelkarosse "Horch 830 BL" - Ch. de Gaulles

Die deutsche Automobilfirma "Horch" wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Zwickau (Sachsen) gegründet. In den zwanziger und dreißiger Jahren gelang es Horch, große Marktanteile im luxuriösen Oberklasse-Segment des Automobilmarktes zu erobern. Damit einhergehend erlangte die Marke "Horch" durch ihre Edelkarossen weltweite Bekanntheit.

Im Jahr 1933 erschien die Luxuslimousine "Horch 830" auf dem Markt, die sofort hohe Verkaufszahlen erzielte. Bis Ende der dreißiger Jahre entwickelte man bei Horch neue Varianten des 830. Der ab 1935 produzierte "830 B" verfügte über einen stärkeren Motor, parallel dazu erschien der "830 BL" mit einer verlängerten Karosserie. Den "830 BL" gab es Ende der dreißiger Jahre mit zwei Motorisierungen. Ursprünglich wurde ein Motor mit 3,5 Liter Hubraum und einer maximalen Leistung von 82 PS eingebaut, später sollte ein 92 PS starker 3,8 Liter Motor die über zwei Tonnen schwere Limousine antreiben.

Wie viele andere Firmen lieferte Horch Kraftfahrzeuge für die Aufrüstung der Wehrmacht. Seit 1933 ließen die nationalsozialistischen Machthaber massiv aufrüsten. Als das Deutsche Reich schließlich 1939 den Zweiten Weltkrieg begann, waren etliche militärische und zivile "Horch"-Autos dabei. Die zivilen Varianten wurden meistens von hochrangigen Amtsträgern gefahren. Ein Beispiel dafür ist der sich gegenwärtig im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr befindliche "Horch 830 BL", der eine Leihgabe des August Horch Museums in Zwickau ist. Er gehörte zum Kraftfahrzeugpark des deutschen Stadtkommandanten von Paris, General Dietrich von Choltitz. Bei den Gegnern Deutschlands waren die "Horchs" begehrte Beute und wurden oft für eigene Zwecke genutzt. Als von Choltitz im August 1944 den Alliierten Paris übergab und in Gefangenschaft ging, wechselte der "Horch 830 BL" in den Besitz der siegreichen Franzosen.

Der nächste Nutzer wurde kein Geringerer als der französische General und erste französische Nachkriegsregierungschef Charles de Gaulle. 1946 verließ de Gaulle die französische Politik. Doch seinen Horch nutzte er vor allem bei feierlichen Anlässen weiter. Als die französische Nachkriegsrepublik nicht zuletzt durch den Algerienkrieg (1954 - 1962) in eine schwere politische Krise geriet, bewarb sich de Gaulle um das Amt des Staatspräsidenten. Für seine Wahlkampftouren durch Frankreich kam der Horch intensiv zum Einsatz. Als de Gaulle 1959 zum Staatspräsidenten gewählt wurde, war ihm bewusst, dass ein Wandel in den deutsch-französischen Beziehungen nötig war, der die ewige Rivalität beider Länder zueinander beendete. Aus diesem Grund schlossen der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und Charles de Gaulle als französischer Staatspräsident 1963 den "Elysée-Vertrag", in dem vereinbart wurde, künftig auf vielen wichtigen Politikfeldern wie Verteidigung, Kultur und Wirtschaft zusammen zu arbeiten. Diese Politik ist noch heute Grundlage der deutsch-französischen Beziehungen. Die deutsche Edelkarosse de Gaulles im 1. Obergeschoss des Militärhistorischen Museums ist eine einzigartige Hinterlassenschaft aus der Ära dieser neuen Politik.

 

Text: Jens Wehner M.A., Sachgebietsleiter Bildgut Foto: MHM/Meier(2) Bangert(1) 04. Juli 2012